By Albert Herter – Thomas Wentworth Higginson, Tales of the Enchanted Islands of the Atlantic (1899), page 7, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15868379

Die Begegnung am Seeufer

Es war ein Morgen wie aus Gold gegossen, als Oisín, Sohn des legendären Fionn mac Cumhaill, mit den Kriegern der Fianna am Ufer des Lough Leane jagte. Plötzlich teilte sich der Nebel, und eine wunderschöne Frau erschien, reitend auf einem weißen Ross, dessen Mähne wie Seide im Wind wehte.

„Ich bin Niamh Chinn Óir“, sprach sie mit einer Stimme wie das Rauschen von Harfensaiten, „Niamh vom Goldenen Haar, Tochter des Königs von Tír na nÓc. Ich bin über das Meer gekommen, um dich zu suchen, Oisín, denn dein Ruf als tapferer Krieger und begnadeter Dichter hat sogar die Küsten meines Landes erreicht.“

Die Reise ins Land der ewigen Jugend

Niamh erzählte von ihrer Heimat: einem Land, wo keine Träne fällt, wo der Tod unbekannt ist und wo ewiger Frühling herrscht. Bäume tragen zugleich Blüten und Früchte, Musik erfüllt die Luft, und niemand kennt Alter oder Krankheit. „Komm mit mir nach Tír na nÓc“, bat sie, „und werde mein Gefährte in diesem Land des Glücks.“

Obwohl sein Herz schwer war beim Gedanken, seinen Vater und seine Gefährten zu verlassen, konnte Oisín der Schönheit Niamhs und der Verlockung ihres Landes nicht widerstehen. Er stieg hinter sie auf das weiße Ross, und gemeinsam ritten sie über das Meer. Die Wellen teilten sich vor ihnen, Meerestiere tanzten um sie herum, und bald verschwand die irische Küste im Nebel hinter ihnen.

In Tír na nÓc angekommen, fand Oisín ein Reich, das alle Beschreibungen übertraf. Paläste aus Kristall erhoben sich zwischen blühenden Gärten, Musik schien aus der Luft selbst zu kommen, und überall lachten Menschen in zeitloser Jugend. Oisín lebte glücklich an Niamhs Seite, dichtete, jagte und feierte und bemerkte nicht, wie die Zeit verging.

Die Sehnsucht nach der Heimat

Nach dem, was ihm wie drei Jahre erschien, begann Oisín, seine Heimat zu vermissen. Die Erinnerung an seinen Vater Fionn, an die Fianna und an die grünen Hügel Irlands ließ ihm keine Ruhe. Niamh spürte seine Unruhe und willigte schweren Herzens ein, ihn zurückkehren zu lassen.

„Nimm mein weißes Ross“, sagte sie, „aber ich flehe dich an: Steige nicht von seinem Rücken ab. Berühre nicht den Boden Irlands mit deinen Füßen, denn sobald du das tust, kann das Zauberland dich nicht mehr zurückholen, und alle Jahre, die hier nicht an dir genagt haben, werden dich auf einmal einholen.“

Die bittere Rückkehr

Als Oisín die Küste Irlands erreichte, erkannte er sein Land kaum wieder. Die vertrauten Wälder waren gerodet, fremde Siedlungen standen, wo einst die Jagdgründe der Fianna gewesen waren. Er begegnete Menschen, die kleiner und schwächer schienen als die Krieger, die er gekannt hatte.

Verzweifelt suchte er nach den Hügeln der Fianna, nach Almhuin, der Festung seines Vaters. Dort fand er nur noch Ruinen, überwuchert von Gras und Vergessen. Ein alter Mann erzählte ihm, dass Fionn und die Fianna seit dreihundert Jahren tot seien – nur noch in Liedern und Geschichten lebten sie fort.

Auf seiner verzweifelten Suche sah Oisín Männer, die mühsam versuchten, einen schweren Stein zu bewegen. In seiner Trauer vergaß er Niamhs Warnung. Er beugte sich vom Pferd hinab, um den Stein mit einer Hand anzuheben – und der Sattelgurt riss.

Das Ende der Geschichte

In dem Moment, als Oisíns Füße den Boden Irlands berührten, verschwand das weiße Ross. Dreihundert Jahre fielen auf einmal über ihn her: Seine goldenen Locken wurden weiß wie Schnee, sein starker Körper wurde gebeugt, seine Augen trübten sich. Aus dem jungen Krieger war ein uralter Mann geworden.

Die Legende erzählt, dass der heilige Patrick Oisín in seinen letzten Tagen fand. Der alte Krieger verbrachte seine verbleibende Zeit damit, dem Heiligen von den alten Tagen zu erzählen – von Fionn und der Fianna, von Heldentaten und Jagden, und vor allem von Tír na nÓc, dem Land der ewigen Jugend, das er für einen Moment der Unachtsamkeit für immer verloren hatte.

Das ist Tír na nÓc

In den nebelverhangenen Hügeln Irlands erzählt man sich seit Jahrhunderten die Legende vom verzauberten Land jenseits des Meeres, ein Ort ohne Alter, ohne Leid, ohne Zeit. Dies ist die Geschichte von Oisín, dem größten Dichter der Fianna, und seiner Reise nach Tír na nÓc.

Die Bedeutung für unseren Bund: Die Geschichte von Oisín und Tír na nÓc erinnert uns daran, dass wahre Abenteuer und Gemeinschaft zeitlos sind. Wie Oisín suchen wir in der Pfadfinderei nach besonderen Erlebnissen jenseits des Alltäglichen. Wir schaffen unsere eigenen Momente in einem „Land der Jugend“, wo Freundschaft, Abenteuer und gemeinsame Werte zählen. Zugleich mahnt die Geschichte, unsere Wurzeln nicht zu vergessen und die Balance zwischen Träumen und Wirklichkeit zu finden.

Aufbau

Die Freie Fahrtenschaft Tír na nÓc gliedert sich in Horten und Stämme. Kleinste Gemeinschaft der Fahrtenschaft Tír na nÓc ist die Horte. In der Regel besteht eine Horte aus 5 bis 10 Jungen und/oder Mädchen und einem oder mehreren Hortenführer:innen. Die Mädchen und Jungen, die Fahrtenschaftler werden wollen, werden sich ihre Horte wählen, aber auch die Horte wirbt und wählt ihre Jungen und Mädchen aus. Ein Stamm besteht aus mehreren Horten und mindestens 20 Jungen und oder Mädchen. Der/Die Stammesführer:in wird vom Stammesthing gewählt. Er/Sie vertritt den Stamm im Fahrtenschaftsthing.